Die Dichte-Regel, und warum sie sich hält
„Ein bis zwei Prozent Keyword-Dichte“ steht in erstaunlich vielen deutschen SEO-Ratgebern. Die Zahl stammt aus einer Zeit, in der Suchmaschinen tatsächlich Wörter gezählt haben, und sie hat sich gehalten, weil sie zwei bequeme Eigenschaften hat: Sie lässt sich lehren, und sie lässt sich prüfen. Beides macht sie noch nicht richtig.
Google hat wiederholt gesagt, dass es keinen Zielwert für Keyword-Dichte gibt. Wer trotzdem auf eine Prozentzahl hin schreibt, bekommt zuverlässig Sätze wie „Als Dachdecker in Lüneburg bietet Ihr Dachdecker Lüneburg alle Dachdecker-Leistungen“. Das erkennt jeder Leser, und Leser, die abspringen, sind ein Signal, das Google sehr wohl sieht.
Ein Nebeneffekt der Regel ist teurer als sie selbst: Sie lenkt die Aufmerksamkeit auf eine Zahl, während die Entscheidung an ganz anderer Stelle fällt.
Was stattdessen zählt: dieselbe Sprache sprechen
Betriebe beschreiben ihre Arbeit fast immer in Fachsprache, Kundschaft sucht in Alltagssprache. Ein Dachdecker schreibt „Dachsanierung und Steildachabdichtung“, die Kundin tippt „Dach undicht was tun“ oder „Dachdecker Lüneburg Kosten“. Beide meinen dasselbe, und nur eine der beiden Formulierungen steht in der Suchmaske.
Das ist die eigentliche Arbeit: herausfinden, welche Wörter die Leute benutzen, und sie dann natürlich verwenden. Nicht häufiger, sondern überhaupt.
Die vier Stellen, an denen ein Wort wirklich wirkt
Wenn du nur vier Stellen anfasst, dann diese, in dieser Reihenfolge:
| Stelle | Warum sie zählt |
|---|---|
| Seitentitel | Steht im Suchergebnis und ist das stärkste einzelne Signal dafür, worum es geht |
| H1, die sichtbare Überschrift | Sagt Leser und Maschine im selben Moment, ob sie richtig sind |
| Erster Absatz | Wird von Suchmaschinen und Assistenten überdurchschnittlich oft als Antwort herangezogen |
| Die Zwischenüberschrift über der Antwort | Macht den Abschnitt zitierbar, der die Frage tatsächlich beantwortet |
Alles Weitere ist Feinschliff. Die URL einer bestehenden Seite umzuschreiben, nur um ein Wort unterzubringen, lohnt fast nie und kostet die aufgebaute Adresse.
Deutsch macht es anders: Flexion und Komposita
Hier liegt der Punkt, den die meisten Ratgeber auslassen, weil sie aus dem Englischen übersetzt sind. Deutsch beugt und setzt zusammen: Dachdecker, Dachdeckers, Dachdeckern, Dachdeckermeister, Dachdeckerbetrieb, Dachdeckerinnung. Suchmaschinen ordnen diese Formen einander zu, sie brauchen die exakte Schreibweise also nicht.
Praktisch heißt das: Du darfst normal schreiben. Wer stattdessen überall den Nominativ hineinzwingt („Wir sind Ihr Dachdecker Lüneburg für Dachdecker Leistungen“), verschlechtert den Text ohne Gegenwert. Und Komposita sind im Deutschen oft die natürlichere Form: „Dachsanierung“ liest sich besser als „Sanierung von Dächern“ und deckt dieselbe Suche ab.
Eine Ausnahme lohnt die Erwähnung: Bei Ortsangaben ist die getrennte Form üblich und wird auch so gesucht, also „Dachdecker in Lüneburg“ statt „Lüneburger Dachdecker“. Beides schreiben darf man trotzdem, das eine im Titel, das andere im Text.
Wie du herausfindest, welche Wörter das sind
Dafür braucht es kein bezahltes Werkzeug. Vier Quellen, alle kostenlos:
Googles Vorschläge. Tipp deine Leistung ein und lies, was Google ergänzt. Das sind echte Eingaben von echten Menschen. Dasselbe unten auf der Ergebnisseite unter „Ähnliche Suchanfragen“ und in den Fragen-Kästen.
Die Search Console. Unter „Leistung“ steht, mit welchen Suchbegriffen deine Seiten bereits Impressionen bekommen. Sehr oft sind das andere als die, für die du geschrieben hast, und genau die gehören dann sauber bedient.
Deine Kundschaft. Wie beschreiben Anrufer ihr Problem, bevor du es fachlich einordnest? Diese Sätze sind wörtlich die Suchanfragen.
Foren und Frage-Portale. Wer in einem Portal nach seinem Problem fragt, formuliert es genau so, wie er es auch in eine Suche tippt.
Der Test, ob es zu viel ist
Lies den Absatz laut vor. Wenn du den Satz so nie sagen würdest, steht das Wort zu oft drin. Dieser Test ist verlässlicher als jedes Zählwerkzeug, weil er genau das misst, worauf es ankommt.
Ein zweiter Blick, wenn du unsicher bist: Steht der Begriff in jeder Zwischenüberschrift, ist es zu viel. Zwischenüberschriften sollen den Text gliedern und nicht denselben Begriff sechsmal wiederholen.
Was sich mit KI-Antworten geändert hat
Ein Assistent zitiert einen Absatz, keine Seite. Damit verschiebt sich die entscheidende Frage von „wie oft steht das Wort auf der Seite“ zu „beantwortet ein einzelner Absatz die Frage vollständig“. Ein Absatz, der für sich allein verständlich ist, wird übernommen. Einer, der sich auf drei Bildschirme davor bezieht, nicht.
Das ist auch der Grund, warum die Dichte-Regel heute noch weniger trägt als früher: Sie beschreibt eine Eigenschaft der ganzen Seite, während die Auswahl auf Absatzebene passiert. Mehr dazu steht in unserem Artikel zu Sichtbarkeit in ChatGPT und Perplexity.
Häufige Fragen
Wie oft soll ein Keyword im Text vorkommen?
Es gibt keine Zahl, auf die man schreiben sollte. Google hat wiederholt gesagt, dass es keinen Zielwert für Keyword-Dichte gibt. Wenn das Wort im Titel, in der H1 und im ersten Absatz steht und der Text danach normal weiterläuft, ist es abgedeckt.
Schadet es, wenn ein Wort zu oft vorkommt?
Ab einem gewissen Punkt ja, allerdings weniger als Strafe denn als Wirkung: Der Text liest sich maschinell, und Leute springen ab. Die Absprünge sieht Google, die Prozentzahl nicht.
Muss das Keyword exakt so im Text stehen?
Im Deutschen nicht. Suchmaschinen kommen mit gebeugten Formen und Zusammensetzungen zurecht, „Dachdecker“, „Dachdeckers“ und „Dachdeckerbetrieb“ gehören für sie zusammen. Schreib die Form, die ein Mensch sagen würde.
Gehört das Keyword in die Alt-Texte?
Der Alt-Text beschreibt das Bild für jemanden, der es nicht sieht. Wenn das Wort dabei natürlich vorkommt, gut. Als Platz für Suchbegriffe taugt er nicht, und Screenreader-Nutzern gegenüber ist es unfair.
Zählt das bei KI-Antworten auch noch?
Die Frage verschiebt sich dort. Ein Assistent zitiert einen Absatz, keine Seite. Entscheidend ist deshalb, ob ein einzelner Absatz die Frage vollständig beantwortet, und nicht, wie oft ein Wort auf der Seite steht.