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KI-Sichtbarkeit · Messung

Was ein KI-Sichtbarkeits-Score wirklich misst

· 8 Min. Lesezeit

Seit kurzem zeigen Website-Baukästen einen eigenen Wert für KI-Sichtbarkeit: ein Satz Fragen, gegen ChatGPT, Gemini und Perplexity gestellt, daraus ein Prozentwert. Wir haben so einen Test an einem Nachmittag dreimal laufen lassen und dabei zugesehen, wie die Zahl wandert.

Kurz: so ein Wert taugt als grobe Richtung. Bei uns schwankte er zwischen zwei Abfragen desselben Tages um ein Drittel, er zählt eine reine Quellennutzung schon als Erwähnung, und die Fragenliste darf der Betrieb ändern, der damit bewertet wird.

Was so eine Ansicht anzeigt

Der Aufbau ist bei allen Werkzeugen dieser Art ähnlich, und Wix hat ihn im September 2026 direkt ins Dashboard gebaut. Aus Firmenname, Adresse und Website-Beschreibung erzeugt das Werkzeug einen Satz Fragen, wie sie jemand in ein Chatfenster tippen könnte. Diese Fragen laufen gegen ChatGPT, Gemini und Perplexity. Für jede Frage steht danach da, ob die eigene Website in der Antwort vorkam, an welcher Stelle, und aus wie vielen Quellen die Antwort gebaut wurde. Darüber steht ein Prozentwert je Anbieter, darunter ein Vergleich mit Wettbewerbern und eine Liste der am häufigsten zitierten Quellen.

Das ist viel Information, und das meiste davon ist brauchbar. Über den Prozentwert ganz oben lohnt sich trotzdem ein eigener Absatz, weil er als Erstes gelesen wird und am wenigsten trägt.

Was an einem Nachmittag passiert ist

Wir haben den Test an einer Website aus unserer Betreuung laufen lassen, dreimal innerhalb einer knappen Stunde. Zwischen den Läufen hat niemand die Website angefasst: kein neuer Text und keine geänderte Einstellung. Auch die zwanzig Fragen blieben dieselben.

LaufChatGPTdavon erwähntGeminiPerplexity
Erster Lauf45 %9 von 2055 %60 %
Dritter Lauf30 %6 von 2055 %60 %

Bei ChatGPT sind drei von zwanzig Fragen gekippt, also ein Drittel des Werts. Gemini und Perplexity standen in beiden Ansichten unverändert da.

Auch unterhalb des Prozentwerts wandert alles. Dieselbe Frage nach einem Fachbetrieb am Ort lag im ersten Lauf auf Position 1 von 13 Quellen und im dritten auf Position 1 von 12. Eine andere Frage wurde beide Male mit Nein beantwortet, einmal aus 12 und einmal aus 19 Quellen. Die Antwort wird bei jedem Lauf neu zusammengesetzt, und mit ihr die Auswertung.

Die Fragen stehen hier mit ausgetauschtem Ort und ausgetauschter Branche. Der Betrieb bleibt ungenannt, die Zahlen sind unverändert.

Dieselbe Frage, drei verschiedene Antworten

Ein Beispiel aus demselben Test zeigt, warum ein einzelner Anbieter ohnehin wenig aussagt. Auf die Frage nach einer bestimmten Behandlungsform in der Nähe des Orts nannte ChatGPT den Betrieb an erster Stelle, Perplexity ebenfalls an erster Stelle, und Gemini gar nicht. Gemini schrieb stattdessen in die Antwort, der Ort liege nur siebeneinhalb Kilometer von der nächsten Kreisstadt entfernt, und zählte dann vier Anbieter aus dieser Stadt auf.

Das ist keine Panne. Gemini hat die Frage weiter gefasst und den Radius erweitert. Für den Betrieb bleibt trotzdem: bei zwei Anbietern ganz vorn, beim dritten abwesend. Ein Durchschnitt über drei solche Systeme verdeckt genau diesen Unterschied, und für die Praxis ist er das Interessanteste am ganzen Test.

Warum die Zahl höher liegt, als sie aussieht

Zwei Rechenregeln ziehen den Wert nach oben, und beide stehen offen in der Dokumentation des Anbieters.

Quellennutzung zählt als Erwähnung. Wenn die Website in der Antwort selbst fehlt, aber als Quelle verwendet wurde, zählt der Anbieter das trotzdem mit. Wörtlich steht in der Hilfeseite: „Deine Website wurde in der Antwort nicht erwähnt, aber als Quelle verwendet." In der Praxis sind das zwei sehr verschiedene Dinge. Wer die Antwort liest, sieht im einen Fall den Namen des Betriebs mitten im Text und im anderen eine Fußnote unter einem Absatz, in dem jemand anders empfohlen wird.

Markenfragen laufen im selben Topf. Unter den Fragen sind auch welche, die den Firmennamen enthalten, etwa „Welche Behandlungen bietet [Betrieb] an?". Das Werkzeug kennzeichnet sie als markenbezogen, rechnet sie aber in denselben Prozentwert. Eine Frage nach einem Betrieb mit Namen wird fast immer mit diesem Betrieb beantwortet. Sie misst damit, ob die Maschine eine bekannte Adresse nachschlagen kann, und nicht, ob sie den Betrieb von sich aus vorschlägt.

Beides zusammen heißt: der Anteil der Fragen, bei denen ein fremder Mensch den Namen tatsächlich zu sehen bekommt, liegt unter dem angezeigten Wert.

Die Fragenliste gehört dem, der bewertet wird

Im selben Werkzeug lässt sich jede Frage löschen, es lassen sich eigene hinzufügen, und ein Knopf erzeugt den ganzen Satz neu. Für die Arbeit ist das richtig so: wer seine Kundschaft kennt, formuliert bessere Fragen als ein Generator.

Für die Zahl bedeutet es etwas anderes. Wer die vier Fragen entfernt, bei denen er fehlt, steht beim nächsten Lauf deutlich besser da, während sich an der Sichtbarkeit nichts geändert hat. Ein Score trägt immer nur so weit wie die Liste, auf der er steht.

Ab wann überhaupt eine Zahl erscheint

Die Ansicht braucht laut Hilfeseite mindestens fünfzig eindeutige Besucher in den letzten dreißig Tagen. Darunter bleibt sie leer.

Für viele kleine Betriebe ist genau das der Alltag. Ein Handwerker mit dreißig Besuchern im Monat bekommt von dieser Funktion nie eine Zahl zu sehen, obwohl gerade ihm eine Nennung in einer KI-Antwort am meisten bringen würde. Wie viele Menschen überhaupt schon so suchen, haben wir an anderer Stelle aufgeschrieben.

Wofür der Wert trotzdem taugt

Das alles ist ausdrücklich ein Argument dafür, die Ansicht zu öffnen. Drei Teile darin sind gut, und zwei davon sind nützlicher als die Zahl darüber.

  • Am meisten hängt an der Quellenliste. Unter „Top-Quellen nach Verweisen" steht, woher die Antworten ihr Wissen ziehen. In unserem Fall waren das ein Branchenverzeichnis, die Gemeindeseite des Orts, ein Fachverband und ein Wikipedia-Artikel, also überwiegend fremde Seiten. Das ist die konkreteste Arbeitsliste, die so ein Werkzeug ausgibt: dort einen sauberen Eintrag zu haben wirkt stärker als ein weiterer Absatz auf der eigenen Startseite.
  • Fast ebenso nützlich sind die Einzelfragen: welche Frage wurde beantwortet, ohne dass der Betrieb vorkam, und wer stand stattdessen da? Das ist eine Wettbewerbsanalyse zum Nulltarif, Frage für Frage nachlesbar.
  • Und der Verlauf trägt, sobald mehrere Läufe nebeneinander liegen. Ein einzelner Wert an einem Tag sagt vor allem etwas über diesen Tag.

Wie wir messen

Wir stellen dieselbe Frage mehrfach und halten für jede Messung eine von drei Stufen fest: klar genannt, nur am Rand erwähnt, gar nicht vorgekommen. Eine Quellennutzung ohne Nennung im Text landet dabei in der mittleren Stufe.

Die Fragen kommen aus dem, was Menschen tatsächlich eingeben, und bleiben über die Zeit gleich, damit zwei Messungen vergleichbar sind. Fragen mit dem Firmennamen laufen getrennt, weil sie etwas anderes beantworten.

Jede Messung wird mit Datum und vollständigem Antworttext abgelegt. Springt eine Stufe, sehen wir nach, was sich dazwischen geändert hat, statt die neue Zahl für die Wahrheit zu nehmen. Wie sich das in fünf Minuten selbst nachstellen lässt, steht in So prüfst du, ob dich die KI schon empfiehlt. Und woran die Modelle ihre Empfehlung festmachen, steht in GEO: Wie du in ChatGPT und Perplexity empfohlen wirst.

Häufige Fragen

Ist so ein Score wertlos?

Als Richtung taugt er, als Zahl für eine Entscheidung eher wenig. Er sagt zuverlässig, ob ein Betrieb in KI-Antworten praktisch abwesend ist oder regelmäßig vorkommt. Den Unterschied zwischen 45 und 30 Prozent sollte man dagegen nicht deuten, der entsteht auch ohne Zutun.

Warum schwankt der Wert, wenn sich an der Website nichts ändert?

Weil die Antwort bei jeder Abfrage neu erzeugt wird. Das Modell sucht neu und wählt dabei andere Quellen aus. In unserem Test änderte sich zwischen zwei Läufen desselben Tages die Zahl der herangezogenen Quellen bei einer einzelnen Frage von 12 auf 19.

Zählt es, wenn meine Website als Quelle unter der Antwort steht?

Im Score des Anbieters ja, laut seiner eigenen Hilfeseite. Für einen Menschen, der die Antwort liest, ist eine Fußnote allerdings etwas anderes als der eigene Name im Text. Wir führen beides deshalb getrennt.

Ab wann zeigt die Ansicht überhaupt Daten?

Ab fünfzig eindeutigen Besuchern in den letzten dreißig Tagen. Kleinere Websites sehen dort nichts, auch wenn sie in KI-Antworten längst vorkommen.

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